Mein Kommentar zu Gerdas Beitrag

Kommentar zu Gerdas Beitrag zur Tierethik

https://gerdakazakou.com/2017/08/02/die-ziege-myrte-mittwochs-beitrag-zur-tier-ethik/
Liebe Gerda, vielen Dank für Deine Gedanken und die intensive Arbeit, die du dir gemacht hast! Ich selbst habe entschieden, meinen Tierethikblog vorerst nicht weiter zu führen, weil ich plötzlich nur noch dieses Thema im Kopf hatte, Tag und Nacht. So dachte ich, ich brauche erstmal wieder Abstand.
Zu Deinen Überlegungen: Ich finde es schön, dass Deine fleischlose Diät dazu führt, dass Du ein „wärmeres“ Verhältnis zu Tieren bekommst. Wenn Du jetzt eine der vielen Ziegen oder Schafe im schönen Griechenland siehst, kannst Du ihnen jetzt tatsächlich ganz anders begegnen. „Ich esse dich nicht!“…
Auch die Idee, dem Zicklein einen Namen zu geben, ist wunderschön. Gerade durch die Namensgebung geben wir ja unseren Heimtieren ein Recht auf Persönlichkeit, während Nutztiere meist namenlos bleiben…Dabei geht mir durch den Kopf, dass ich selber meinen Lieblingstieren auch Namen gegeben haben, auch einem Schwein. Früher, bevor es Massentierhaltung gab, haben Hirten und Bauern oft den Tieren, zu denen sie ein besonders gutes Verhältnis haben, Namen gegeben. Irgendwie gehören sie dann eher zu unserer Gemeinschaft…
Nun zu Deinen Überlegungen zur Tierethik und zu deren verschiedenen Aspekten oder Ebenen:
Mich hatte anfangs der rechtliche Aspekt besonders interessiert. Ich dachte, dass sich vielleicht weitere Argumente zum Tierschutz finden ließen. Mit Erleichterung stellte ich während meiner Lektüren und Recherchen fest, dass anscheinend immer mehr Menschen innerlich gegen die Tatsache rebellieren, dass Nutztiere wie Sachen behandelt werden, auch der Ruf nach mehr Naturschutz im Allgemeinen wird glücklicherweise immer lauter, sodass es vielleicht gelingen wird, mit der Zeit denjenigen, die mit Tierhaltung Profite machen wollen, mehr Riegel vorzuschieben. In Deutschland kämpft der NABU tapfer weiter und hat immer mehr Mitglieder; zu ihnen gehöre auch ich. Leider sind gerade Pharma- und Chemiekonzerne sehr machtvoll, wie wir alle wissen…
Dann kommt die Ebene der nationalen oder lokalen Verhaltensregeln. Ich denke, dass diese sich langsam weltweit durch die Globalisierung etwas annähern, bzw. ähnlicher werden. In Ägypten habe ich zum Beispiel zu meinem Erstaunen eine Frau gesehen, die mitten in der Stadt ihren sehr großen Hund ausführte. Üblicherweise sind dort große Hund „Straßenhunde“ . Im Haus gehalten oder an der Leine geführt, wurden eher sehr kleine, reinrassige Hündchen. Ich kann mir vorstellen, dass amerikanische Filme, die ja überall gezeigt werden, dazu beitragen, die lokalen Normen zu verändern.
Die persönlichen Überzeugungen: die sind, wie Du sagst, oft emotional motiviert und das kann einerseits hinderlich sein. Andererseits sind diese Überzeugungen ein Teil unserer Persönlichkeit und reflektieren oftmals eigene Erfahrungen. Im besten Fall sind sie gelebtes Wissen. Im schlimmsten Fall führen sie zu fanatischem und intolerantem Verhalten.
Die religiös-philosophische Ebene ist vielleicht die Spannendste, denn sie geht über unser Verhältnis zum Tier hinaus und stellt grundsätzliche Fragen zu unserem Umgang mit der ganzen „Natur“. Gehören wir dazu oder müssen/ sollen wir uns abgrenzen? Die Tierforscherin Jane Goodall schrieb „Wir brauchen eine Verbindung mit den Tieren und der Welt der Natur für unsere spirituelle Entwicklung“. Aber was beinhaltet das im Alltag, was dürfen wir tun, was nicht? Diese Frage hast Du mit vielen guten Beispielen „genährt“. Ich fühle intuitiv, dass Tiere unsere Mitgeschöpfe sind, frage mich jedoch auch, ob wir auch Mücken oder Tiere und Pflanzen, die uns schaden, schützen müssten. Vielleicht gehören wir ja auch in dem Sinne zur „Natur“, dass wir sie teilweise verzehren, wie jedes fleischfressende Tier es tut.

Vielleicht geht es eher darum, dass wie unseren Mit-Lebewesen mit Respekt begegnen…Man hört immer wieder, dass Naturvölker sich bei den Göttern, aber auch bei dem erlegten Tier bedanken, wenn sie bei der Jagd erfolgreich waren. Du nennst den Biber. Ich selbst war für seinen uneingeschränkten Schutz, bis ich hier in Niederbayern Biber hautnah erleben durfte. Sie sind wunderschön und faszinierend. Ich kann allerdings auch verstehen, dass bestimmte Berufsgruppen sich gegen ihren uneingeschränkten Schutz wehren, denn sie verändern tatsächlich die Landschaft radikal…

Ich werde nächstens das Buch „Die Würde der Tiere“ von Rainer Hagencord lesen und hoffe auf Inspiration, Antworten…und neue Fragen 🙂
Nochmals vielen Dank, Gerda, dass Du das Thema weiter behandelt hast!
Und jetzt…wünsche ich Dir und Deinem Mann einen guten Appetit! 🙂
PS: Das Beitragsbild „Blauer Leopard“ ist in den -80ern entstanden, damals habe ich noch in Öl gemalt.

 

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Autor: Nadia Baumgart

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2 Kommentare zu „Mein Kommentar zu Gerdas Beitrag“

  1. Dein Kommentar ist eine große Bereicherung der Diskussion, liebe Nadia. Du legst am Ende das Hauptgewicht nicht auf die Gesetze, sondern auf „Respekt“ (ebenso übrigens Ulli), und ich finde das eine gute Herangehensweise. Respekt verträgt sich nicht mit Grausamkeit, Übergriffigkeit, Gedankenlosigkeit. Respekt sagt: ich sehe dich, Tier, ich sehe deine Art, deine Notwendigkeiten, deine Rechte. Das ist schon eine ganze Menge, und weiß Gott, die Welt wäre schöner, wenn alles und jedes in seiner Eigenart respektiert würde.
    Respekt hält auch auf Abstand. Wenn ich ein Tier ansehe, fühle ich, dass bei aller Nähe dieser Abstand von ihm gewünscht wird – genauso wie ich diesen Abstand für mich in Anspruch nehme. Im rechten Abstand kann ich das, was mir wichtig ist, tun, fühle mich nicht bedrängt und in die Pflicht genommen. Ich kann mich liebevoll verbinden, wenn ich es wünsche und wenn der andere es wünscht – sei der andere nun ein Mensch oder ein Tier. Ich möchte mich nicht „auffressen“ lassen, weder tatsächlich noch seelisch. Auch ich, als Mensch, habe ein Recht auf Leben und Freiheit. Und insofern darf und muss ich mir Wesen vom Halse halten, die mein Leben oder meine Freiheit der Bewegung in Frage stellen. Ich will daher zB nicht in einer Welt mit Wolfsrudeln leben, nicht einmal mit Hunderudeln. Und ich verstehe den Schäfer, der die Bären hasst, die seine Herden anfallen. (Er hasst dann auch den Tierfreund, der den Bären wieder mehr Lebensraum zB auf dem Balkan verschaffen will).

    Nun aber respektiere ich deinen Wunsch auf eine Pause. Keiner braucht sich unter Druck zu setzen. Es gibt ja auch LeserInnen, die ihrerseits einen Diskussionsbeitrag leisten wollen. Das allein hält den Blog, den du freundlicherweise eingerichtet hast, am Leben. Und wenn du dann etwas Neues hast, insbesondere auch eines deiner herrlichen Tieraquarelle, dann wirst du es schon hier veröffentlichen.
    Ich wünsche dir einen schönen Abend. Gerda

    Gefällt 1 Person

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