Theorien

Tierethik, Umgang mit Tieren, moralisch angemessene Behandlung von Tieren

Werbeanzeigen

Neuer Beitrag: https://tierethiksite.wordpress.com/2017/07/26/fragen-zur-tierethik/

Gerda erzählte vor kurzem in ihrem Blog von einer kleinen gefesselten Ziege, die sie zum Nachdenken brachte. Dies war der Anlass einer Diskussion über das Wohl der Tiere, die weitergeführt werden soll. Hier der ursprüngliche Beitrag:

https://gerdakazakou.com/2017/07/21/uralte-schauer/

Kleine-Ziege
Kleine Ziege, inspiriert von Gerdas Erlebnis – nach einem Foto von Gerda Kazakou

In der Hoffnung, einen Beitrag zur Klärung der Diskussion zu leisten und im Einvernehmen mit Gerda, habe ich unten eine Liste von bekannten Positionen zum Mensch-Tier-Verhältnis erstellt.

Vorab: Wenn ich hier „wir“ und „unser“ schreibe, geht es mir nicht darum, andere zu manipulieren oder auf meine Seite zu ziehen. Es geht mir eher darum, Regeln oder Handlungskriterien zu finden, die allgemein anerkannt werden können. Gerne auch im Dialog.

Ohne diesen Anspruch ginge es hier ausschließlich um subjektive und persönliche Überlegungen. Bei aller individuellen Freiheit bin ich auf der Suche nach Werten, die ich auch mit anderen Menschen teilen kann, weil ich die Gründe von Handlungen nachvollziehen kann. Es geht auch in der Literatur meist um ein vorsichtiges Sich-herantasten, da wir wenig objektive Fakten haben, diese Fragen eindeutig zu klären.

Die Liste der Positionen in der Tierethik ist hier grob zusammengefasst und unvollständig. Die Positionen und Fragen klingen zwar manchmal theoretisch, erlauben aber eine grobe Orientierung bei der Reflexion über konkrete Handlungen rund um Massentierhaltung, Tierexperimente, Tierquälerei, Tiertötung etc.
_____________________________________________________________________
Unser Verhältnis zu Tieren und Überlegungen zur moralisch angemessenen Behandlung von Tieren: Ein Versuch, verschiedene Positionen knapp zu umreißen

Frage: Gibt es Gründe, weswegen wir Menschen Tiere respektvoll behandeln und moralisch berücksichtigen sollten?

1. Moralische Handlungen beziehen sich nur auf Wesen, die Selbstbewusstsein besitzen. Tiere haben kein Selbstbewusstsein, sie sind Maschinen („Automaten“) und haben somit keinerlei Rechte. (René Descartes)

2. Das Moralgesetz wird aus der Vernunft abgeleitet. Tiere gehören nicht zu den vernünftigen Wesen und sind somit „Sachen“ (Immanuel Kant)

Aktuellere Positionen:

3. Wenn es in der Moral darum geht, insgesamt das Glück auf der Welt zu mehren und Leid zu verhindern, kann das Kriterium der Unterscheidung zwischen Mensch und Tier nicht mehr die Vernunftsfähigkeit sein, sondern muss sich auf die Leidensfähigkeit beziehen. (Peter Singer)

Gegenargument: Die Gleichheit der Leidensfähigkeit von Mensch und Tier erscheint als Basis für unsere Handlungen zu schwach. Ungeklärt bleibt, ob die Leidensfähigkeit von Mensch und Tier die gleiche Bedeutung haben.

4. Da nur der Mensch moralische Prinzipien formulieren kann (auch weil er allein Entscheidungen für seine zukünftigen Handlungen treffen kann), können Tiere keine Rechte haben.

5. Es gibt nicht nur eine Menschenwürde, sondern auch eine kreatürliche Würde, also haben Tiere grundsätzlich das Recht, nicht erniedrigt zu werden.

6. Die Rechte der Tiere müssen nach ihren Fähigkeiten und ihrer Intelligenz gestaffelt werden: Menschenaffen müssen somit moralischer behandelt werden, als zum Beispiel Spinnen. Menschenaffen wird eine Form des Selbstbewusstseins zugesprochen, da sie sich in Spiegeln wieder erkennen. Wenige Autoren sprechen allen Lebewesen diese selben moralischen Rechte zu, einer ist der Meinung, wir sollten auch Bakterien ein Lebensrecht einräumen.

7. Als Grund der moralischen Handlung sollte das Mitgefühl im Vorrang stehen. Tiere gehören grundsätzlich in unsere moralische Gemeinschaft; die Betonung auf Rechte, Fähigkeiten und Interessen führt zu Fehlentscheidungen. (Heimtieren werden mehr Rechte zugesprochen als Nutztieren. Dies beruht jedoch keinesfalls auf Unterschieden von Fähigkeiten und Intelligenz.)

Gegenargument: Mitleid ist ein Affekt und hängt von unserer „Laune“ ab.

8. Fragen: Haben Tiere das Recht, nicht gegessen zu werden? Kann jemand, der aus ethischen Gründen Vegetarier ist, Milchprodukte und Eier zu sich nehmen? (Evelyn B. Pluhar)

9. Gründe und Argumente für das Töten von Tieren:

a. Menschen haben schon immer Tiere gejagt, gegessen und ihr Fell verwertet.
b. Der Tod im Schlachthof oder in der Narkose bei Experimenten ist nicht leidvoller, als derjenige der wildlebenden Verwandten in der Natur.
c. Interessenkonflikt: Tiere bedrohen unseren Lebensraum (zu viele Weidetiere, „Schädlinge“, Wölfe etc)

10. Gesundheitsaspekte:

a. Fleisch ist ein unverzichtbarer Teil unserer Ernährung
b. Fleisch ist ungesund
c. Milchprodukte und Eier sind wertvolle Bestandteile unserer Ernährung
d. Milchprodukte und Eier lösen Allergien aus und sind ungesund

amazonen-aquarell-Nadia-Baumgart

Autor: Nadia Baumgart

https://nadiapittura.com/ Nadia Baumgart, Bad-Birnbach, Aquarelle, Niederbayerisches Bäderdreieck, Aquarellmalerei, Kunst, Zeichnungen, Painting, Disegni, Arte Art Aquarelle, Costa Ligure, Nice, Bad Birnbach, Niederbayern, Pfarrkirchen, Rottal https://nadiapittura.com/

43 Kommentare zu „Theorien“

  1. Liebe Nadia, das ist ja wundervoll, was du in so kurzer Zeit geleistet hast! Dies ist, wenn ich es recht verstehe, ein neues Blog, auf dem wir nun die Diskussion weiterführen können? Und auf dem wir Beiträge, die in den Kontext passen, verlinken bzw rebloggen können?
    Deine Aquarell-Zeichnung zeigt die tiefe Verbundenheit von Mensch und Tier auf der Ebene des Seelischen. Sie ist sehr schön. Liebe Grüße von Gerda

    Gefällt 4 Personen

    1. Liebe Gerda, ich bin ganz baff, dass Du den Blog schon gefunden hast, ich wollte ihn ja eigentlich erst am Mittwoch bei Dir posten. Ich weiß ja selber noch nicht, wie es weiter gehen soll und bin mit dem Blogdesign noch unzufrieden, bin aber für alles offen und gerne könnt ihr den Link rebloggen oder verlinken. Danke für das Lob. ich hab auch deine kleine Ziege gezeichnet…

      Gefällt 1 Person

      1. Eben erst sah ich die kleine Ziege und bin entzückt. DANKE!
        Ich bin technisch so gar nicht bewandert, aber rebloggen und verlinken, das kann ich immerhin.
        Wenn ich es richtig sehe, bist du die Administratorin, kannst also auch nur du direkt posten, oder? Eine an dere Möglichkeit wäre, es wie beim Mitmachblog zu machen, wo sich Interessierte anmelden und ihre eigenen Beiträge veröffentlichen können. Wir könnten gezielt Blogger einladen, mitzumachen. Wenn sich darüberhinaus andere Interessenten anmelden – gut! aber vielleicht sollten wir uns auf einen kleinen Verhaltenscodex einigen.
        Eben habe ich mir den Podcast angehört, den Heike von hikeonart zum Thema beigesteuert hat. Bei ihr ist die Kommentarfunktion geschlossen, aber ich finde den Vortrag interessant, er fordert mich teils zu Zustimmung, teils zu Widerspruch auf, und ich vermute, es geht anderen auch so, drum verlinke ich ihn hier gleich nochmal. Ein bisschen schwer tue ich mir mit der Vortragsform, denn da kann ich den gesamten Argumentationszusammenhang schwer überblicken. Wenn du Zeit hast, hör ihn dir an. Und wenn du noch mehr Zeit aufwenden kannst, gib die Gesichtspunkte an, die dir einleuchten und die, die du falsch oder problematisch findest. Ich will das auch mal probieren.

        https://hikeonart.wordpress.com/ 16. Juni 2017 • von hikeonart • in authentic self. •

        „Wenn du lange in einen Abgrund blickst, blickt der Abgrund auch in dich hinein“
        Friedrich Nietzsche
        Zitat aus einem Podcast SWR2 Aula https://www.swr.de/swr2/programm/sendungen/wissen/negative-emotionen/-/id=660374/did=19462082/nid=660374/kw3u1a/index.html
        „Das Rätsel der negativen Emotionen: Über tierisches und menschliches Leiden“

        „Interessant finde ich die Idee vom NP-Fußabdruck“,schreibt Heike dazu.

        Gefällt 1 Person

      2. Liebe Gerda, die Idee, andere direkt mitmachen zu lassen, finde ich auch sehr gut. Es ist noch Neuland für mich, aber ich schaffe das technisch bestimmt und gebe dann Bescheid. Ich werde mich in den nächsten Tagen mit den möglichen Funktionen in WordPress vertraut machen.

        Gefällt 1 Person

  2. Liebe Nadia,
    da schließe ich mich Gerda voll und ganz an, denn Du hast da ganz viel, in kürzester Zeit erstellt!
    Deine Zehnpunkte-Liste lasse ich jetzt erstmal auf mich wirken, Kann aber jetzt schon sagen, dass ich mit Nr. 7 dich sehr Konform gehe! Allerdings, mit dem Gegenargument nicht mitgehen kann, denn dann wären Mitleid generell, also auch für Menschen, immer von unseren Launen abhängig und dass wäre wohl sehr fatal!

    Ich lasse alles nochmal ganz in Ruhe auf mich wirken und melde mich dann wieder!

    Aufjedefall Hut ab, für Deine Mühe und diesen wunderbaren Themen Blog!

    ❤liche Grüße Babsi

    Gefällt 1 Person

    1. Danke, liebe Babsi, lass Dir nur Zeit, ich brauche auch immer etwas Ruhe, um mir eine Meinung zu bilden. Nur kurz zum Mitleid: das ist an sich natürlich nichts Schlechtes. Das Problem ist nur, dass wir nicht so gut auf ein Gefühl zählen können, um eine Wertediskussion zu führen oder die besten Kriterien für unser Handeln zu finden, da wir nicht damit rechnen können, dass sich dieses Gefühl immer im richtigen Moment einstellt…Wenn wir zum Beispiel große Sorgen haben, sind wir nicht mehr so offen für Sorgen der Anderen. Deshalb glaube ich, dass es sinnvoll wäre, verlässlichere Argumente zu finden. LG Nadia

      Gefällt 1 Person

      1. Wie es die Worte sagen, beim Mitleid liegt das Gewicht auf dem Leiden und kann schnell zu einer Gefühlsduselei ausarten, während ich (oder wer auch immer noch) beim Mitgefühl, mit dem/der anderen fühlt, mit allen Sinnen. Auf der Gefühlsebene sind weder die Menschen, noch die Tiere so unterschiedlich, wie man es uns oft glauben macht. Oder wie siehst du das?

        Gefällt 2 Personen

      2. Ich persönlich denke, dass die Unterschiede zwischen uns und Tieren nur graduell sind. Wir können rationaler denken, sie können vielleicht sogar tiefer fühlen, als wir. Das ist meine persönliche Meinung und das macht die Frage: „Dürfen wir sie töten?“ nicht einfacher. Fakt ist, dass wir es tun, obwohl wir uns dabei oftmals unwohl fühlen. Deine Unterscheidung zwischen Mitleid und Mitgefühl ist interessant. Vielleicht ist beim Mitgefühl der Grad der Identifikation mit dem Tier höher?

        Gefällt 2 Personen

  3. Liebe Nadia, hier bin ich schon wieder. ich beziehe mich auf den ersten Satz: „Moralische Handlungen beziehen sich nur auf Wesen, die Selbstbewusstsein besitzen. Tiere haben kein Selbstbewusstsein, sie sind Maschinen („Automaten“) und haben somit keinerlei Rechte“. (René Descartes)
    In dem oben verlinkten Vortrag wird wird ein verwandter Ausgangspunkt gewählt, den ich mal so zusammenfassen möchte: „Die ethische Frage bezieht sich nur auf leidensfähige Wesen. Leidensfähig sind nur Wesen, die ein Selbstbewusstsein besitzen. Es st daher wichtig zu erforschen, ob Tiere ein solches Selbstbewusstsein besitzen. Wenn ja, dürfen wir ihnen kein Leid zufügen. Wenn nein, können wir sie ruhig essen“.
    Ich sträube mich innerlich, dem zuzustimmen. Was meinst du?

    Gefällt 1 Person

    1. Liebe Gerda, ich sah vor einigen Tagen bei meiner Tochter eine Dokumentation über einen Gibbon, die Frage dahinter war, ob Tiere trauern können. Und wie! Wir wissen es von den Elefanten, aber wie dieser Gibbon gelitten und getrauert hat, als seine Herzdame plötzlich verstarb, er hat fast zwei Jahre gebraucht … das ist für mich ausschlaggebender, als das Thema des Selbstbewusstseins, nämlich was Tiere und Pflanzen fühlen und wie sie darauf reagieren. Tieren und Pflanzen jegliches Gespür abzusprechen ist für mich menschliche Arroganz und Rechtfertigungstaktitk mit ihnen zu machen was man will.
      Das nur kurz, du weißt schon, die Nähmaschine… 😉
      herzlichst
      Ulli

      Gefällt 3 Personen

      1. Liebe Ulli, liebe Nadia, liebe Mit-Interessierte! Ich glaube, inzwischen gibt es kaum noch aufgeklärte Menschen, die wie die Väter der Aufklärung Descartes und Kant urteilen (dass Tiere Automaten oder Dinge seien). Wir sind uns sehr wohl bewusst, dass Tiere ein intensives Gefühlsleben haben, wir fühlen ihre Freude und Trauer, Angst und Wut, Liebe und Schlauheit sehr wohl empathisch (neuerdings bilden sie auch Gegenstand empirischer Forschung). Unser Herz lacht, wenn wir ein fröhliches Tier sehen, wir fürchten uns, wenn es faucht und zischt und kein Zaun zwischen ihnen und uns ist… Die Volksmärchen und Fabeln nutzten diese Fähigkeit zu Empathie, um die Gefühlswelt des Menschen ins Bewusstsein zu heben. Denn auch Gefühle waren sicher nicht von Anfang an bewusst, man sieht es an kleinen Kindern, die zwar intensive Gefühle haben, aber sie nicht bewusst handhaben können. (Bei Therapien sieht man, dass die starken unbewusst gebliebenen Gefühle von ganz kleinen Kindern enorme Kraft entfalten. Einmal in einem dunklen Zimmer allein erwacht – und das ganze Leben wird von der schrecklichen Angst vor Dunkelheit beherrscht. Erst durch Bewusstmachung können solche gefühlsauslösenden Erlebnisse auf ihre „realen Dimensionen“ zurückgeführt werden. Insofern haben es die Tiere schlechter.)

        Ich will mich heute hinsetzen und versuchen, ein paar der unendlich vielen Gedanken zu ordnen, die mir kommen, während ich über das Thema „Mensch und Tier“ nachdenke.

        Gefällt 2 Personen

    2. Ich versuche einmal, diese Position noch einmal näher zu beleuchten: „Lebewesen sind nur schützenswert, solange sie ein Selbstbewusstsein haben“.

      Die Einstellung Descartes, Tiere seien Maschinen, ist glücklicherweise überholt. Auch die Kantsche Position, Tiere seien Sachen (weil nicht vernunftbegabt) ist inzwischen oft kritisiert worden und obsolet. Inzwischen gibt es ja schon ein Tierschutzgesetz und ein modernes Interesse am Schutz von Tieren.

      Gerade Der von Dir angesprochene Punkt bleibt jedoch problematisch. Einer der Autoren, den ich sehr schätze, Dieter Birnbacher, stellt die Frage auch: „Begründen der Besitz von Bewusstsein oder Selbstbewusstsein ein tierisches Lebensrecht?“.

      Wir werden wohl aufgrund der „Sprachbarriere“ nie genau erkunden können, wie Tiere sich selbst wahrnehmen und was sie über sich wissen. Am Verhalten zumindest von Säugetieren sehen wir aber, dass sie sich an Vergangenes erinnern können, ein eigenes Interesse an einem „guten Leben“ haben. Wir wissen, dass manche Tiere (Affen, Elefanten und andere) sich im Spiegel wieder erkennen und viele Säugetiere haben Trauerreaktionen bei Verlusten.

      Was Tiere vielleicht nicht wirklich können ist, ihre eigene Zukunft zu planen (abgesehen von eher instinktiven Handlungen wie Nestbau). Haben sie überhaupt einen „Begriff“ für ihre Zukunft? Diese Tatsachen sprechen alle dafür, dass Tiere ein Selbstbewusstsein haben, das vielleicht nicht so entwickelt ist wie unseres oder andere Schwerpunkte hat.

      Andererseits differenzieren wir schon intuitiv zwischen Tieren, die „höher entwickelt“ sind und anderen: eine Nacktschnecke im Garten töten wir eher ohne viel nachzudenken, als ein Tier, das uns verzweifelt anschaut und dabei schreit, muht oder meckert. Umso „menschlicher“ uns ein Tier vorkommt, umso eher haben wir Mitleid und können uns mit seiner Angst identifizieren.

      Meine persönliche Meinung:

      Wenn wir das Kriterium des Bewusstseins/ Selbstbewusstseins nicht gelten lassen oder nicht alleine gelten lassen, um unsere Handlungen zu orientieren, müssen wir ein Besseres finden. Ich selbst glaube, dass es schon hilfreich sein kann, aber nicht ausreicht.

      Der Heilige Franziskus ging barfuß, um die Ameisen zu schonen. Ich glaube, ich versuche doch etwas zwischen den Tieren zu differenzieren, weil ich ansonsten wahrscheinlich überfordert wäre.

      Gefällt 3 Personen

      1. „„Begründen der Besitz von Bewusstsein oder Selbstbewusstsein ein tierisches Lebensrecht?“.“ Bitte Nadia, wer bin ich, dass ich dem Tier ein Le´bensrecht zu- oder abspreche? Jedes Lebewesen hat ein Lebensrecht. Vielleicht ist es die Wortwahl, die mich daran erinnert, dass „wir“ Menschen meinen darüber entscheiden zu müssen was lebenswert ist und was nicht. Selbst wenn ich das Huhn, das ich halte später esse, hat es doch während der Zeit auf meinem Hof ein Recht auf ein artgerechtes Leben –

        Gefällt 2 Personen

      2. Liebe Ulli, danke für diesen Kommentar. Du fragst, wenn ich es richtig verstehe: „Haben wir Menschen überhaupt das Recht, Tieren ein Lebensrecht zu – oder abzusprechen?“. Das weiß ich ja auch nicht.

        Ich weiß nur eins: wir alle leben in einer Welt, in der de Facto Schweineschnitzel und Steaks gegessen werden. Und viele Milchprodukte genossen werden, die von Tieren gewonnen werden, die niemals auf der Weide waren.

        Ich versuche ja, allgemeine Fragen zu stellen. Wenn es nur um mich ginge, gäbe es nur artgerechte Tierhaltung. Da diese aber eine Ausnahme bleibt und auch in unserem Land Massentierhaltung erlaubt ist, versuche ich zu verstehen, welche moralischen Argumente es geben könnte, um die Situation zu verbessern. Also Argumente, die viele Menschen nachvollziehen können.

        Nochmals: Mir geht es nicht darum, Tieren irgendwelche Rechte abzusprechen, sondern nach Argumenten zu suchen, die ein besseres Leben von Tieren ermöglichen und auch von Menschen, die nicht vegan leben, akzeptiert werden könnten. Ich selbst möchte dabei auch versuchen, persönlich innere Antworten auf innere Konflikte zu finden. Denn auch ich esse Milchprodukte und Fleisch und füttere Igel mit Katzenfutter (in dem Fleisch ist) und gehe mit natürlichen Mitteln gegen Läuse im Garten vor, wenn es zu viele werden.

        Wenn ich es recht verstehe, ist Deine Position diejenige, das Töten zu erlauben, solange Leiden verhindert wird (dein Beispiel mit dem Huhn)? Ich glaube, das ist ein guter Ansatz…

        Gefällt 2 Personen

      3. ich habs eben erst gelesen, nachdem ich meinen obigen Kommentar schon geschrieben hatte. Wir sind uns einig: die Positionen von Descartes und Kant sind obsolet – dennoch: es sind die Positionen, die am Beginn unserer „aufgeklärten“ Zeit stehen und die Trennung zwischen Mensch und Welt, die die Religionen schon vorbereitet hatten, erst richtig zementiert haben. Der Mensch machte sich seither, mehr als je zuvor und ohne Gottes Strafe zu fürchten, die Welt gefügig, unterwirft sie bis heute, beutet sie aus, überzieht sie mit seinen Erfindungen. Es ist ein großes Thema, wie religiöse und aufklärerische Modelle zusammenwirken, um die Überlegenheit des Menschen „über alle Kreatur“ zu begründen.

        Gefällt 1 Person

      4. Danke für Deinen Beitrag. Genau so sehe ich das auch, Gerda: die Positionen von Descartes und Kant sind zwar obsolet, wirken aber weiter in unserer Vorstellung, deswegen habe ich sie mit in die Liste genommen.
        In Deinem letzten Kommentar sprichst Du, glaube ich, auch psychoanalytische Aspekte an, die interessant sind. Das Bild des Tieres in unserem Unterbewusstsein? Ich bin gespannt auf Deine Überlegungen. Ich werde jetzt einen Beitrag posten mit etwas genaueren Fragen.

        Gefällt 1 Person

  4. Liebe Nadia,
    zunächst bin ich total begeistert von den zwei Bildern, „Gerdas“ Ziege ist dir ganz zauberhaft gelungen!
    Ich habe heute auf meinem Blog auf euer Projekt hingewiesen und die Frage nach dem kleinsten Nenner, in Bezug auf Mensch, Tier und Pflanzen unter ethischen Gesichtspunkten, gefragt, auf den „wir“ uns einigen können. Es gab schon eine sehr lebhafte Diskussion. Da ich nun aber auch noch einiges andere zu tun habe und tun möchte, komme ich noch einmal später wieder, um mir deinen Artikel in Ruhe durchzulesen und eventuell auch zu kommentieren.
    Ihr habt wirklich ein gutes Thema angestoßen, ich bin richtig gespannt wohin dies führen wird.
    Hier geht zu meinem Artikel: https://cafeweltenall.wordpress.com/2017/07/24/ethik/

    herzliche Grüße
    Ulli

    Gefällt 2 Personen

  5. Im Alter von etwa 12 Jahren, habe ich die Schlachtung eines Schweines mitbekommen und bin prommt in Ohnmacht gefallen. Dieses Erlebnis werde ich, so lange ich lebe, nicht vergessen. Die Sau hat geschrien bis sie im Schlachtraum war und hat sich gewehrt. Ich bin der Meinung, sie wusste was auf sie zukam und sie hatte Gefühle! Für mich ist entscheidend, wie man mit dem Tier umgeht, bis es soweit ist, dass es geschlachtet wird! Denn nur Fleisch von gut gehaltenen Tieren kann letztendlich auch für uns gesund sein, denke ich mal!
    Tiere generell als Sache zu sehen, empfinde ich als unmöglich, im wahrsten Sinne des Wortes!
    Vielleicht noch ein Beispiel, mein Hund Ninjo wurde schon dreimal, von anderen Hunden angegriffen und er hatte Todesangst, er hat geschrien und in seinen Augen konnte ich es sehen! Jedesmal konnte ich eingreifen, trotz meiner Behinderung. Ninjo hatte, nach diesen Erlebnissen, 3 Jahre lang Epilepsie, seit einiger Zeit ist er anfallfrei. Hunde beispielsweise sind nicht so hochentwickelt im Denken, wie wir Menschen aber ich glaube fest daran, daß sie denken können! Sie haben auch ein Gedächtnis, wie viele Tiere bspl. Elefanten, Pferde usw.!
    Ein Tier, als eine Sache oder als einen Gegenstand zu sehen, ist für mich unvorstellbar!

    Da ich weder Philosophie noch andere Sozialwissenschaften oder Verhaltens Forschungen studiert habe, kann ich nur aus meinem Herzen heraus argumentieren.

    Jetzt ist meine Argumentation doch subjektiv geworden, sorry! Vielleicht bin ich da auch zu emotional und zu temperamentvoll!

    Ich wünsche Euch allen einen interessanten Austausch und wenn es möglich ist, verfolge ich die Diskussion!

    LG Babsi

    Gefällt 2 Personen

    1. ich finde es wichtig, dass du deins einbringst, liebe Babsi, man muss ja nicht studiert haben, um eine Haltung zum Leben und zum Umgang mit den anderen Lebewesen zu entwickeln! Jede und jeder auf eigene Weise, das macht doch solche Diskussionen erst bunt und interessant!

      Gefällt 2 Personen

      1. Ich meinte damit eigentlich nur, dass mir im Lehrfach Philosophie doch viel Wissen fehlt! Obgleich es mich sehr interessiert! Ich sehe gerne Richard David Prechts Sendungen und ich liebe Friedrich Nietzsche! Wenn ich den richtigen Gesprächspartner habe, dann philosophiere ich auch sehr gerne selbst!

        Aber nun nochmal zum Thema Ehtik, wird es überhaupt möglich sein, bei der tendenziell steigenden Überbevölkerung, eine Ehtik in vielen Bereichen, aufrecht zu halten. Moralischer Zerfall, Verrohung, Gier und Gewissenslosigkeit prägen immer mehr unsere Gesellschaften. Tiere stehen da an letzter und unterster Stelle. Wir brauchen wirklich einen Masterplan des Umdenken’s!

        Liebe Ulli, hab eine gute Nacht!

        LG Babsi

        Gefällt 3 Personen

      2. Liebe Babsi, da hast du wohl einen wichtigen Punkt angesprochen: meistens hat das Wohlergehen der Menschen Priorität. Überbevölkerung und ökologische Katastrophen schaffen neue „Sorgen“. Und wenn wir besorgt sind, sind wir weniger fähig, Mitleid zu empfinden mit anderen Geschöpfen.
        Inzwischen weiß man ja immer mehr über die Vernetzung von verschiedenen Bereichen miteinander wie zB: Wirtschaft – Ökologie – Psychologie – Politik, das könnte Argumente liefern, denn ein moralischer Umgang mit Tieren würde vielleicht letztendlich auch uns Menschen vor mehr Umweltkatastrophen schützen? Dann dürften wir nicht aus Idealismus, sondern einfach aus eigenem Interesse Tiere schützen können/ dürfen? Dieses Argument könnte viele überzeugen.
        Ja, ein Masterplan wäre gut, um zukünftigen Problemen vorzubeugen. Kannst du dir vorstellen, welche Aspekte solch ein Plan beinhalten sollte?
        Übrigens: man muss nicht Philosophie studiert haben, um bei philosophischen Diskussionen mitzureden und sich grundsätzliche Fragen zu stellen.

        Gefällt 2 Personen

      3. Okay liebe Nadia, dieses Argument nicht studiert zu haben, ist mein eigenes Ärgernis darüber, dass ich eben viele Wissenslücken habe! Denn in einem Studium erhält man eben fundierte wissenschaftliche Erkenntnisse! Sicherlich kann man sich autodidaktisch weiter bilden, aber dieser Grundstock eines Studium fehlt eben! Ich ärgere mich zugegebener Maßen über mein spätes Interesse an so vielem!

        Sei ❤lichst gegrüßt Babsi

        Gefällt 3 Personen

      4. Liebe Nadia,

        ich bin nicht Bibelfest und in den Augen der Kirchen ungläubig, aber wenn die Menschheit sich an den Satz (Botschaft), liebe Deinen Nächsten, Tiere mit einbezogen (Sie gehören zu unserem Leben), halten würden, dann sähe es ganz anders aus, auf dieser Welt! Der Kampf um die Ressourcen dieser Erde, wird noch unvorstellbare Probleme bringen, da stehen wir erst am Anfang! Ich denke viel über diese Fragen nach und ich glaube, erst wenn die Menschheit an dem Punkt angekommen ist, an dem sie alles zerstört hat, gibt es vielleicht einen Neuanfang! Dann stellt sich die Frage, ob es dann mit dem Menschen überhaupt weitergeht.

        Ja, vielleicht ist dass, das heilsame resetting für unsere Erde!
        Und eine Chance für die Tiere!

        Gefällt 2 Personen

    2. Sei man ganz zufrieden, liebe Babsi, dass du nicht Philosophie studiert hast. Kennst du den Anfang. Monolog von Faust?

      „Habe nun, ach! Philosophie,
      Juristerei und Medizin,
      Und leider auch Theologie
      Durchaus studiert, mit heißem Bemühn.
      Da steh ich nun, ich armer Tor!
      Und bin so klug als wie zuvor;
      Heiße Magister, heiße Doktor gar
      Und ziehe schon an die zehen Jahr
      Herauf, herab und quer und krumm
      Meine Schüler an der Nase herum –
      Und sehe, daß wir nichts wissen können!
      Das will mir schier das Herz verbrennen.
      Zwar bin ich gescheiter als all die Laffen,
      Doktoren, Magister, Schreiber und Pfaffen;
      Mich plagen keine Skrupel noch Zweifel,
      Fürchte mich weder vor Hölle noch Teufel –
      Dafür ist mir auch alle Freud entrissen,
      Bilde mir nicht ein, was Rechts zu wissen,
      Bilde mir nicht ein, ich könnte was lehren,
      Die Menschen zu bessern und zu bekehren…..“

      ich bin ebenfalls Magister und Doktor, und ich weiß ebenfalls, dass wir n ichts wissen können. Gottseidank argumentierst du aus deinem Herzen. Wie die Bibel sagt: Mach nur aus deinem Herzen keine Mördergrube.

      Gefällt 1 Person

      1. Die Quelle der Erfahrung ist wohl unerschöpflich, wenn man sich darauf einlässt, das Lebens- Studium wohl das Höchste! Johann Wolfgang von Goethe war ein kluger Mann! Dieser Monolog gefällt mir sehr gut!

        Danke Gerda!❤

        LG Babsi

        Gefällt 1 Person

  6. Liebe Nadia, hier kommt noch mein Artikel von heute, mit einigen Links: https://cafeweltenall.wordpress.com/2017/07/25/ethik-2/
    Übermorgen werde ich für 10 Tage verreisen und ohne Netz sein (was ich genießen werde 😉 ), sodass ich mich erst später wieder einbringen kann. Bis hierher danke ich dir und allen Beteiligten für diese Debatte, die wohl noch einiges mehr in pettto haben wird!
    Herzliche Grüße und ein gutes Weitergehen mit allem wünscht dir
    Ulli

    Gefällt 2 Personen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s